Evolution im Schnelldurchlauf

Cash Magazin, 18 Januar 2007 -Wer einmal die Hagmattstrasse in Allschwil gefunden hat, kann die Evolva kaum verpassen. Das kubische Gebäude der Firma leuchtet weiss zwischen den anderen grauen Bauten im Industriequartier. Es ist gerade frisch gestrichen worden. Auch innen wird umgebaut und gemalt. Das Jungunternehmen schafft Platz für 12 neue Mitarbeiter, die in den kommenden Wochen in Allschwil ihre Stelle antreten werden.Insgesamt soll die Zahl der Angestellten bis April auf 65 wachsen.

2006 war ein gutes Jahr für die 2004 gegründete Firma. Sie zog einen 33-Millionen-Franken-Auftrag an Land. Der neue Kunde ist das USVerteidigungsministerium. Es geht um die Entwicklung von Medikamenten, die gegen mögliche terroristische oder kriegerische Biowaffen helfen sollen. «16 Aufträge hat das Verteidigungsministerium im vergangenen Jahr an Pharmafirmen vergeben. Evolva ist das einzige europäische Unternehmen, das zum Handkuss kam», erklärt Neil Goldsmith, Mitgründer und CEO, nicht ohne Stolz.

Das Vertrauen des Pentagons in das Jungunternehmen kommt nicht von ungefähr. Mit dem 43-jährigen Goldsmith steht ein erfahrener Unternehmer an der Spitze. In den letzten 20 Jahren war er in elf Biotechnologieunternehmen tätig. Die meisten davon hat er mitgegründet. Fünf von ihnen sind mittlerweile an der Börse. Leute wie Goldsmith, sogenannte Serial Entrepreneurs, sind in der Schweiz noch selten. In den USA oder in Grossbritannien gehören sie zum Alltag. Sie wissen,
wie man ein Team zusammenstellt, haben die notwendigen Kontakte zu Geschäftspartnern und wissen, was in der Branche global läuft. Seriengründer kommen auch bei den Investoren gut an. Jean-Philippe Tripet von der Zürcher Aravis nennt jedenfalls als ersten Grund für das Investment der Risikokapitalgesellschaft in die Evolva die herausragenden Qualitäten des Managementteams. Wobei Tripet, der auch als Verwaltungsratspräsident bei der Evolva amtet, nicht nur die grosse Erfahrung des Gründers hervorhebt. «Goldsmith weiss auch sein Team zu begeistern.» Die Branche hat natürliche Wirkstoffe vernachlässigt Als zweiten wichtigen Pluspunkt der Jungfirma nennt der Geldgeber die Technologie. Im Fokus der Evolva stünden natürliche Wirkstoffe für Medikamente. Dies sei ein Gebiet, das die Grossen der Pharmabranche in den vergangenen zehn Jahren vernachlässigt hätten. Die Konzerne haben sich stattdessen vor allem auf biotechnologisch entwickelte und hergestellte Medikamente konzentriert. Dabei stammen die Wirkstoffe in rund der Hälfte aller neuen Pharmazeutika auch heute noch aus der Natur.

Die klassische Pharmazie startet die Medikamentenentwicklung mit natürlichen Molekülen, von denen man weiss, dass sie eine bestimmte Wirkung auf den menschlichen Körper haben. Man findet sie in sogenannten Bibliotheken, in denen die Moleküle beschrieben sind. Doch längst nicht alle von diesen Stoffen werden heute auch für Arzneimittel genutzt. Denn viele können nicht einfach in grossem Stil chemisch hergestellt werden, oder sie haben schwere  Nebenwirkungen.

Evolva hat nun einen Weg gefunden, die Moleküle effizient herzustellen und so zu optimieren, dass ihre Nachteile wegfallen. «Wir gehen einen eigenen Weg zwischen klassischer Pharmazie und Biotechnologie », erläutert Goldsmith. Evolva nutzt gentechnisch manipulierte Hefe, die nach einer Mutation leicht veränderte Versionen der Moleküle produziert. Diese werden gescreent, das heisst auf bestimmte Eigenschaften hin untersucht. Dadurch können dann auch diejenigen Hefezellen identifiziert werden, welche die vielversprechendsten Moleküle produzieren. Diese Hefezellen werden anschliessend durch eine Art Zucht weiterentwickelt. Bei diesem Vorgehen sind grosse Zahlen entscheidend. Mit der Technologie des Jungunternehmens lässt sich pro Tag nicht weniger als eine Milliarde Hefepilze untersuchen.

Goldsmith erschloss mehrere Geldquellen für die Evolva

Die Technologie ist nicht auf ein bestimmtes Krankheitsgebiet eingeschränkt. Evolva arbeitet an Wirkstoffen gegen Infektionskrankheiten, Stoffwechselkrankheiten und Krebs. Das kostet viel Geld. Doch Goldsmith weiss, wo er Unterstützung findet. Im Dezember konnte er den Abschluss einer Partnerschaft mit einem US-Unternehmen bekannt geben. Ausserdem leitet die Kleinfirma ein Projekt im Rahmen der EU-Forschungsförderung. Nicht zuletzt kann Goldsmith auch in Zukunft auf seinen international besetzten Investorenkreis vertrauen. «Wir werden Evolva zusammen mit den bestehenden Geldgebern weiter weiter unterstützen», sagt Jean-Philippe Tripet.

Genauso einfallsreich wie bei der Finanzierung ist Goldsmith bei der Wahl von Standorten. Kennengelernt hat sich das dreiköpfige Gründerteam in der dänischen Niederlassung einer US-Biotechnologiefirma. In Dänemark wollte Goldsmith aber nicht bleiben: «Ich suchte einen Ort mit besserem Zugang zu Geldgebern und Personal.» Basel setzte sich schliesslich gegen die Ostküste der USA durch, weil es hier einfacher ist, Arbeitsbewilligungen für das internationale Team zu bekommen. <

Doch das Stammhaus in Basel ist nicht die einzige Karte, auf die Goldsmith setzt. Die erste Niederlassung eröffnete das Jungunternehmen im indischen Hyderabad. Goldsmith glaubt, dass der Subkontinent in den kommenden zehn Jahren als Forschungsstandort immer wichtiger werden wird. «Und wir wollten da sein, bevor die grosse Meute kommt.»

Die internationale Ausrichtung heisst jedoch nicht, dass der Standort Schweiz vernachlässigt wird. So hat sich die Evolva das KTI-Start-up- Label gesichert. «Für uns ist das ein guter Einstieg, um unser Schweizer Netzwerk zu stärken», erklärt Neil Goldsmith. Mittelfristig könnte die Schweizer Börse mit der Evolva zu einem weiteren kotierten Unternehmen aus dem Pharmabereich kommen. Das Potenzial des Jungunternehmens ist allemal gross genug.

CASH Enterprise präsentiert im Innovationsguide in Zusammenarbeit mit der Förderagentur für Innovation KTI – einem Bereich des Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie (BBT) – Innovation «live». Mit der Förderung von Projekten zwischen Wirtschaft und Hochschulen und mit dem Coaching von Jungunternehmen unterstützt die KTI durch ihre Tätigkeit den Innovationsprozess der schweizerischen Wirtschaft. Die Agentur ist im Volkswirtschaftsdepartement angesiedelt.

Kontakt: KTI, Effingerstr. 27,
3003 Bern, info@kti-cti.ch.
www.kti-cti.ch

KTI-START-UP-LABEL

Das KTI-Start-up-Label bescheinigt den Firmen nachhaltiges Wachstumspotenzial. Die jüngsten Preisträger heissen Nanovis, Med Discovery und Flisom. Die drei Firmen eingerechnet, wurden im vergangenen Jahr 25 Jungunternehmen ausgezeichnet, so viel wie nie zuvor seit der Gründung des KTI-Start-up-Programms
1996. Die Selektion ist aber nach wie vor rigoros. Management-Teams, die weniger Erfahrung haben als dasjenige der Evolva, durchlaufen zudem ein mehrmonatiges Coaching-Programm, bevor sie das Label erhalten. Dass Selektion und Coaching funktionieren, zeigen die Erfolge der ausgezeichneten
Firmen. So ist die Flisom vom World Economic Forum (WEF) als einer der technologischen Pioniere 2007 ausgezeichnet worden. Flisom- Gründer Anil Sethi wird in Davos dabei sein und dort sein Adressbuch mit erstklassigen Kontakten füllen können.